Artikel von Christian

Artikel von Christian.

American Airlines Flug 84, Chicago—Frankfurt, Boeing 767-300.

Blogs sind ja auch zum Sich-Beschweren da.

Ich bin am Samstag Vormittag mit einem American Airlines Flug aus Chicago in Frankfurt angekommen. Von amerikanischen Fluggesellschaften ist man ja einiges gewöhnt. 5 Dollar fuer ein winziges Fläschchen schlechten Weins, oft unfreundliches Personal, schlechtes Essen – es wird halt überall gespart wo es nur geht. Also hauptsächlich an Passagieren in Economy (Neudeutsch für Touristenklasse). Zahlvieh eben.

Was ich heute Nacht erlebt habe erreicht allerdings eine neue Klasse der Passagierschikane.

Erstens:
In der Touristenklaase war eine Toilette defekt—und zwar schon in Chicago am Boden. Sie war versiegelt und auf ihr klebte ein “out of order” Schild. Folge: Anstatt 4 Toiletten mussten sich die ca. 200 Passagiere der Touristenklasse 3 Toiletten teilen. In der Businessklasse saßen 30 Passagiere und teilten sich 2 Waschräume. Durchsage (auf Deutsch und Englisch): Es ist verboten, während des Fluges die gebuchte Kabinenklasse zu verlassen. Man darf also nicht mal vor zur Business aufs Klo. Aha. Fröhliches in der Schlange stehen war angesagt (was eigentlich auch verboten ist…). 4 Toiletten für 200 Passagiere sind schon eine Frechheit. Dass American Airlines dann (aus welchen Gründen auch immer—vermutlich Zeit/Geld) auf die Reparatur einer Toilette verzichtet ist unverschämt. Und beängstigend ist die Frage: Wenn sie schon die Toiletten nicht reparieren, sparen sie dann evtl. auch an Wartungsarbeiten und an Ersatzteilen? Gefährden sie mit ihrem Sparen nicht nur den Komfort des Großteils ihrer Passagiere sondern eventuell auch deren Sicherheit?

Zweitens:
Essen. Groß angekündigt als “International Flagship Dinner” war das Essen das absolut schlechteste was mir jemals in einem Flugzeug vorgesetzt wurde. Klar, jeder meckert über Flugzeugkost. Aber gegen das American Airlines “International Flagship Dinner” erscheint mir das Essen bei anderen Gesellschaften wie das eines Feinschmeckerlokals. Es gab Huhn. Natürlich einzunehmen mittels billigstem Plastikbesteck. Welche Art von Fleisch es tatsächlich war, konnte ich geschmacklich nicht feststellen. Das Fleisch (?) war weiß, wabbelig, aber gleichzeitg voller Knorpel und vollkommen geschmacksfrei. Daran änderte auch die braune nichtidentifizierbare Sauce nichts. Beilagen waren eine winzige Menge Kartoffelbrei (fast bissfest) und grüne geschmacksneutrale Bohnen. Gesamtgewicht des Essens ca. 150 Gramm (geschätzt). Der Appetit war mir sowieso nach den ersten Bissen vergangen. Auf dem Tablett war ansonsten noch ein eingeschweisstes Brötchen (wie alt das wohl war?), trockene Kekse, die ich erst gar nicht versucht habe und ein nicht weiter erwähnenswerter Salat von normal-mäßiger Qualität. Und das nennen die “International Flagship Dinner”. Ein Euphemismus oder gar Ironie? Angesichts der Tatsache, dass American Airlines soweit ich weiß nur noch auf Langstreckenflügen überhaupt Essen anbietet, halten sie diesen Fraß tatsächlich für etwas besonderes.

Ich habe für den Flug 100.000 meiner Prämienmeilen bezahlt. Ein normales Hin- und Rückflug-Ticket in meiner Buchungsklasse kostet im Augenblick etwa 1500,- Dollar. Im Winter ist fliegen offenbar günstiger und man zahlt um die 800,- Dollar. Der Preis ist weitgehend unabhängig von der Fluggesellschaft (ein Schelm sei, wer da Preisabsprachen vermuten würde). Ich bin der Ansicht, für mein Geld mehr Service und intakte Waschräume erwarten zu können. Von korrekt gewarteten und sicheren Flugzeugen gar nicht zu reden (hier will ich American Airlines nichts unterstellen). Dass das geht sieht man an Gesellschaften wie Air France/KLM und Lufthansa, die hochprofitabel operieren und hervorragenden Service (im Vergleich zu American Airlines) auf ihren Lang- und Mittelstreckenflügen anbieten. Lufthansa hat gar Metallbesteck und meiner Ansicht nach wirklich gutes Essen.

Ich werde in Zukunft American Airlines so gut ich kann meiden. Den Rückflug werde ich sicher überleben. Mein nächster Transatlantikflug ist dann mit Northwest Airlines. Mit denen hatte ich bisher eigentlich gute Erfahrungen.

Update: Hier eine Story (leider nur auf Englisch) über einen Continental Airlines Flug von Amsterdam nach New York, bei dem nicht nur eine, sondern fünf von sechs Toiletten kaputt waren…

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Seitdem ich letztes Jahr erstmals über die Spendensammel-Aktionen der iranischen Oppositionsgruppe “iranischen Volksmudschahedin” (Modjahedin-e Khalq, MEK) gebloggt habe und die Beiträge über Google zu finden sind, ist blogressiv.de doch tatsächlich in das Bewusstsein des MEK und seiner Spendensammel-Vereine “Menschenrechtszentrum für ExiliranerInnen e.V.” (MEI) und “Hilfswerk für Menschenrechte im Iran (HMI) e.V.” gerückt.

Es ist natürlich verständlich und hätte vorhersehbar sein können, dass Graswurzel-Mitglieder des MEK, die ihre Sache durch meine Blogeinträge und die Vielzahl von kritischen Kommentaren gefährdet sehen, versuchen würden, ihre Meinung via Kommentare kundzutun. Einige MEK-Unterstützer taten das auch offen und ehrlich (siehe etwa Kommentare von Dana, Yuko, Armin, hier nachzulesen). Diese Kommentare sind zulässig und wurden in keiner Weise editiert. Mit der Zeit häuften sich aber Kommentare wie folgender:

Anke | IP: xx.xxx.xxx.xxx
Ich habe heute auch in Unter den Linden einer Freiwilligen von HMI geholfen und habe eine Summe gespendet, die mir nicht leicht gefallen ist, aber ich habe es aus Überzeugung gemacht und bin jetzt froh, dass ich diese Spende gemacht habe. Und zwar, weil ich denke, daß wir in unserem eingeschrenkten Himmel leben und mit unserer Skepssis uns noch mehr einschrenken. Wer kann uns denn beweisen, daß diese informationen, die hier stehen alles der Wahrheit entsprechen? Keiner kann das beweisen. Desshalb vertraue ich dieser Frau, die ich selbst gesehen habe und mit der ich auch in Kontakt bleibe.

Allein die vielen orthographischen Unzulänglichkeiten dieses Kommentars machen stutzig und man muss sich fragen, ob die liebe Anke vielleicht nur vorgibt, heute in Berlin gewesen zu sein. Die ip-Adresse jedenfalls deutet darauf hin, dass der Kommentar aus Frankreich geschrieben wurde (es ist eine statische IP-Adresse in der Domain “oleane.fr”). Da die MEK/HMI-Artikel immer mehr solcher offenbarer Fake-Kommentare bekamen, haben wir die Kommentarfunktion auf blogressiv.de so umstellen müssen, dass wir jeden Kommentar ansehen bevor er auf blogressiv.de erscheint. Das klingt wie Zensur und ist recht lästig – es geht aber zur Zeit nicht anders.

Jetzt wird es lustig: Offenbar von blogressiv.de und den Kommentaren hier genervt, greifen MEK bzw. sein Hilfswerk für Menschenrechte im Iran zu etwas härteren Mitteln. Ich fand es mehr oder weniger erheiternd, folgenden Artikel auf der HMI-Website zu finden:

Warnung: Das Teheraner Regime sabotiert humanitäre Aktivitäten, um freie Hand für mehr Hinrichtungen zu bekommen. HMI als Opfer

Über blogressiv.de ist darin zu finden:

Inzwischen hat das Teheraner Regime zu sehr aggressiven Methoden gegriffen, die humanitären Aktivitäten des HMI zu diffamieren. Hier fungieren die langen Arme von Ayatollahs. Seit etwa 6 Monaten trat die sog. “Blogressiv” in Aktion. Dieses besonders sehr merkwürdig in Erscheinung tretende Internet-Weblog mit dem Sitz in Schweden interessiert sich plötzlich sehr für innerdeutsche Angelegenheiten!! Eine Fülle von mysteriösen Fakten deuten auf das iranische Geheimdienstministerium (VEVAK) als Drahtzieher.

Innerhalb von wenigen Tagen erschienen Dutzende anonyme Kommentare auf „Blogressiv“, wobei die engagierten HMI-Spender aufgerufen wurden, nicht weiter diesen Verein zu unterstützen. Die Verfasser von Kommentaren gaben vor, in Deutschland zu sein, aber tippten mit nicht deutscher Tastatur. Auf einer der Kommentare wurde fälschlicher Weise angegeben, der Verfasser habe in Frankfurt/Oder eine Spendenaktion des Vereins begegnet, während HMI niemals in Frankfurt/Oder irgendeine Aktion durchgeführt hat. Von der Art der Aufsätze ist zu erkennen, dass der Verfasser in vielen Fällen dieselbe Person ist, aber die anonymen Kommentare wurden mit verschiedenen Vornamen wie „Christian“ erschienen (vielleicht alles Agenten-Namen). Mansche freiwillige Mitarbeiter des HMI haben öfters auf das sog. Weblog “Blogressiv” positive Kommentare oder Gegendarstellungen geschrieben. Diese blieben jedoch höchstens nur einen Tag auf das Tarn-Weblog und wurden dann gelöscht, sodass einheitlich nur negative Propaganda gegen HMI-Aktivitäten angeboten wurde. Diese Zensur wird permanent angewendet.

Aber die staatlich gesteuerte Desinformationskampagne aus Teheran lässt sich auch an andere Stellen zu erkennen. Mansche schon länger bekannte vom iranischen Geheimdienst gesteuerte Tarn-Webseiten auf Deutsch und Persisch haben von ähnlicher Methode, wie bei “Blogressiv”, Gebrauch gemacht, um die Vereine, die sich gegen Menschenrechtsverletzungen im Iran engagieren – wie HMI –, zu diffamieren.

Sehr fragwürdig ist, dass Bahman Niruman auch zeitgleich mit dem Beginn dieser Kampagne in “Blogressiv” einen Artikel mit ähnlichem Inhalt in TAZ vom 13. Dezember 2006 erschienen ließ.

Okay, verärgert zu sein über kritische Berichterstattung ist eine Sache, blogressiv.de, mich persönlich und die taz (!!!) in die Nähe des iranischen Regimes zu rücken eine ganz andere. Ich glaube, das nennt man Verleumdung. Man könnte Verfolgungswahn beim MEK vermuten. Dieser wäre auch zu einem gewissen Grad verständlich, da der iranische Staat tatsächlich versucht, seine Opposition auch im Ausland zu unterminieren. Die Herrschaften von HMI hätten sich doch bitte die Mühe machen sollen, sich das breite Spektrum an Artikeln auf blogressiv.de anzuschauen. Wieso sollten sich iranische Regierungsagenten etwa für DRM, Aktien-Spam, eon, Öttinger, die RAF, und Biolebensmittel interessieren?

Es ist ein wenig lächerlich und nervig, aber für die, die es noch nicht gelesen oder verstanden haben: Blogressiv wird von Thomas und mir (Christian) betrieben. Wir leben beide im Ausland (Thomas in Schweden, ich in den USA). Weil wir aus Deutschland stammen, interessieren wir uns für Geschehnisse in Deutschland. Weil wir nicht immer einen Computer mit deutscher Tastenbelegung zur Verfügung haben, kommt es vor, dass wir Umlaute durch die üblichen Kombinationen oe, ue, ae ersetzen. Wir haben keinerlei Verbindung zum Regime im Iran, noch beabsichtigen wir, es in irgendeiner Weise zu unterstützen. In einer freien Gesellschaft ist es erlaubt, auch vermeintlich “gute” Organisationen (wie eben etwa iranische Oppositionsgruppen) und ihre Vorgehensweisen zu kritisieren, selbst wenn man prinzipiell ihr Anliegen (einen bitte friedlichen Umsturz im Iran) unterstützt. Damit müssen auch MEK, HMI und MEI leben und lernen, zwischen freier Meinungsäußerung und einer staatlich gesteuerten Desinformationskampagne aus Teheran zu unterscheiden.

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Noch vor zwei Wochen (siehe vorangegangenen Beitrag) hätte ich nicht zu vermuten gewagt, was sich im Augenblick (so scheint es zumindest aus der Auslandsperspektive) in Deutschland abzuspielen scheint. Das ganze hat ein unschönes Eskalationsmuster. Alles beginnt damit, dass Bundesanwaltschaft und Polizei am 7. Mai eine Großrazzia bei linken und globalisierungskritischen Gruppen durchführen. Begründung: “Verdacht der Bildung einer terroristischen Vereinigung”.

Wie abzusehen gewesen wäre, hat die Razzia zu zwei Ergebnissen geführt: Erstens, – und das ist das Positive – eine Solidarisierung eines großen Teils der Bevölkerung mit den friedlichen Anti-G8-Protesten und zweitens, die zunehmende Radikalisierung bereits latent radikaler und gewaltbereiter Linker. Es kam zu Ausschreitungen bei Spontanprotesten und zu massiver Sachbeschädigung. Was kommt als nächstes?

Die “radikale Linke” scheint an einem Punkt angelangt, wo nicht nur mehr geringfügige Sachbeschädigung und Farbschmierereien symbolische Mittel der Militanz sind, sondern massive Sachbeschädigung zur Tagesordnung wird. Wie geht das weiter? Ich zitiere aus der taz vom 23. Mai:

Die Zerstörung des Autos von Diekmann ist ein weiterer in einer Reihe von kleineren Anschlägen, die Unbekannte in den vergangenen Wochen vor allem in Hamburg und Berlin verübten. Vorige Woche wurde das Haus des Chefs der Lufthansa-Technik in Hamburg mit Farbbeuteln und Steinen beworfen. Im Bekennerschreiben nimmt eine anonyme Gruppe Bezug auf die bundesweite Großrazzia der Bundesanwaltschaft gegen Globalisierungsgegner am 9. Mai: “Es ging um einen Angriff gegen diegesamte radikale Linke”, heißt es in dem Schreiben.

Diekmann kann man nicht leiden können, seine Zeitung kann man verabscheuen. Sein Auto kann man nicht anzünden, denn das ist nicht nur ganz klar eine Straftat, sondern ist auch jeglichem inhaltlich ernstzunehmendem Protest massiv kontraproduktiv. Und hier bin ich ganz direkt: Es ist für jeden klar denkenden Menschen und für die Gesellschaft en gros nicht nachvollziehbar, wieso auf eine Razzia der Bundesanwaltschaft (sei sie nun gerechtfertigt oder nicht!) mit Gewalt geantwortet werden muss. Da weder Gesellschaft noch “Staatsgewalt” zu differenzieren geneigt sind, diskreditieren sich die Militanten nicht nur selbst, sondern die komplette Linke und damit auch die Gewalt ablehnenden Anti-G8-Aktionsbündnisse. Aus einem “Angriff” des Staates auf die “militante Linke” wird so, katalysiert durch die Reaktion der gewaltbereiten Gruppierungen, ein Glaubwürdigkeitsverlust der gesamten Protestbewegung.

Kein Wunder, dass die Bundesregierung dann zwar friedliches Demonstratieren zum G8 Gipfel erlauben will (was sie laut Grundgesetz muss), aber das Land Mecklenburg-Vorpommern vorsichtshalber mal das Demonstrieren direkt am Metallzaun des G8-Geländes untersagt (oder angewiesen wird zu untersagen?).

Wie geht es weiter? Gewalt erzeugt Gegengewalt erzeugt Gewalt. Es heisst, aus der Geschichte lernen. Groß aufgezogenen Razzien sind ebensowenig hilfreich und effektiv wie gewaltätige Antworten auf ebendiese. Wenn beim G8-Gipfel alles friedlich verläuft und die Steine auf dem Boden und die Wasserwerfer ausgeschaltet bleiben, dann haben wir etwas gelernt. Dann hat die überwältigende Mehrheit der friedlich Protestierenden die kleine Minderheit der radikalisierten Hitzköpfe dominiert. Letzteren wage ich gar, zumindest teilweise Lust an der Militanz der Militanz willen zu unterstellen.

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Das Spiegel Online immer mehr Richtung Bolevard abdriftet (wie ist das eigentlich mit der Print-Ausgabe, die ich auch schon lange nicht mehr gelesen habe?) war mir schon lange klar und ich habe die Seite gemieden.
Auf der Suche nach ersten Ergebnissen der Präsidentschaftswahl in Frankreich, bin ich heute doch mal wieder auf Spiegel Online gelandet. Und was lese ich da?

Verfassungsschutz warnt vor neuem Links-Terror

Der baden-württembergische Verfassungsschutz hält ein Wiederaufflackern des Links-Terrorismus für möglich. Frühere RAF-Mitglieder könnten zu neuen Ikonen werden. Militante Gruppen würden sich bereits auf einen im Januar verfassten Brief Christian Klars berufen.

(Der ganze Online-Artikel ist hier zu lesen.)

Offenbar hat Schmalzl “Bild” Redakteuren ins Mikrophon diktiert, dass er bereits den “alten RAF Geist” durch die linke Szene wehen sehe und dass er insbesonder in Hinblick auf das G8 Treffen im Juni in Heiligendamm erste Verbindungen zwischen alter RAF-Dogmatik und linkem Protest erkenne. In diesem Zusammenhang beruft er sich auf einen Anschlag (mit Sachschaden) einer militanten linken Gruppe auf Büros der italienischen Handelskammer und des türkische Unternehmer- und Industriellenverband in Berlin am 16. März (näheres siehe indymedia.de und Spiegel Online). Im Bekennerschreiben (siehe auch hier) wurde offenbar unter anderem auf die mediale und politische Diskussion um das Grußwort (via jungewelt.de) des Ex-RAF-Terroristen Christian Klars zur Rosa-Luxemburg-Konferenz Bezug genommen. Wichtig ist hier, dass Klars Grußwort an sich keineswegs die Anschläge motiviert hat.

Die Darstellung Schmalzls und die undifferenzierte Berichterstattung auf Spiegel Online, die vermuten lässt, Klars antikapitalistisch angehauchtes Grußwort habe die Anschläge motiviert, sind falsch und es gibt augenblicklich keinerlei Grund zu der Annahme, linksextremistischer Terror in RAF-Manier könnte in der Gegenwart wieder auftauchen. Dieser Ansicht ist übrigens auch der Präsident des Bundesamts für Verfassungschutz, Heinz Fromm (via netzeitung). Alle anderen Behauptungen (insbesondere die Schmalzls) zeugen von schlechtem Geschichtsverständnis und vor allem von einem vollkommen verschobenen Bild der Gegenwartsrealität in Deutschland und Europa. Es ist falsch die Entwicklung des RAF-Terrors aus dem Kontext der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse der 50/60/70er Jahre zu reissen (siehe etwa Gerhard Baums Artikel in der Zeit und die Ergebnisse von 20 Jahren Terrorismusforschung). Es gibt heute keinen gesellschaftlichen Raum und “Nährboden” aus dem eine linksradikale terroristische Bewegung entstehen könnte und Unterstützung fände.

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Was hat es mit dieser Hex-Zahl

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auf sich? Nun, sie ist Teil eines digitalen Schlüssels, der benötigt wird, um die neuen Bluray- und HD-DVDs abzuspielen. Wer diese Zahl weitergibt, wird verfolgt.. Mehr dazu auf Netzpolitik.

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Seit einiger Zeit wird mein Postfach auf dem blogressiv.de-Server regelrecht mit sogenanntem Aktienspam (Wikipedia) zugemüllt.

Aktienspam ist bis vor kurzem eigentlich nur aus den USA bekannt. Hinter ihm steckt eine etwas andere und vielleicht etwas interessantere (?) Geschäftsidee als bei normalem Spam:
Beworben wird immer ein sogenannter Penny-Stock, also eine Aktie mit Kurs im Cent-Bereich. Der Spammer (oder der Auftraggeber des Spammers!) deckt sich vor dem Versenden der Mails ordentlich mit den billigen Aktien ein, sendet dann die Mails aus. Ein paar der Spam-Empfänger lesen tatsächlich die Mail und kaufen auch noch die Aktien. Der Kurs der Aktien steigt somit innerhalb kürzester Zeit auf einen (viel) höheren Kurs. Der Spammer/Auftraggeber verkauft und sahnt ab, während die armen Kleinanleger noch immer auf weiter steigende Kurse hoffen (wie vom Spammer in der Mail langfristig versprochen).

Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Aktienspam-Aktion in Deutschland scheint die seriöse Aufmache zu sein. Hier ein Beispiel aus meiner Inbox:


Heute haben wir 2 Kursraketen fuer Sie:
BETONUSA und BWIN heissen die Kursraketen.

Aufgrund aktueller Rechtsprechung empfehlen wir:

Betonusa AG
Kurs: 0,23 Euro
10-Tage-Ziel: 1,40 Euro
4-Wochen-Ziel: 12,40 Euro
WKN: A0B921

Und:

BWIN AG
Kurs: 33,10 Euro
10-Tage-Ziel: 37,50 Euro
4-Wochen-Ziel: 60,00 Euro
WKN: 936172

Bewertung: Sofort kaufen +/++

Wettaktien sind zum Wetten da. Mit Pennystocks Geld verdienen!
Es wird ein phantastischer Kurssprung erwartet.

Chart lesen heisst die Devise! Lesen Sie den Chart und entscheiden Sie!

Hochachtungsvoll,

Hartwig Straube
DER Investment Report

Nach der ersten Mail sendet der Spammer noch viele weitere (zunehmend stärker zum Kauf auffordernde) Mails um den Kurs möglich hoch zu treiben. Wie egghat berichtet (vielen Dank übrigens für die gute und ausführliche Berichterstattung!) hat das wohl sehr gut bei den ersten paar Spam-Aktionen geklappt.

Auch wenn die Idee verklockend klingt: Finger weg! Man weiss nie, wann der Spammer/Auftraggeber eingestiegen ist und wieder aussteigt. Man kann eigentlich nur Geld verlieren. Selbst ich hab es mir verkneifen können, auf die Penny-Stock-Rallye aufzuspringen ;-) .

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Oetti

Liebe taz, liebe verboten-Kolumne,

vielen Dank, dass es Euch gibt… (Ausschnitt aus der Titelseite der taz vom 19.04.2007)

Ausschnitt aus der Titelseite der taz vom 19.4.2007

Info: Die taz ist die einzige unabhängige Tageszeitung Deutschlands. Sie gehört einer Genossenschaft von Lesern.

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Da ich ja zur Zeit in der pacific time zone lebe, bekomme ich solche Sachen immer erst beim Aufstehen mit. Mittlerweile ist es ja schon überall zu lesen:

Kollege Bundesinnenminister Schäuble hat’s mal wieder knallen lassen (im Stern, via tagesschau.de):

Die Unschuldsvermutung heißt im Kern, dass wir lieber zehn Schuldige nicht bestrafen, als einen Unschuldigen bestrafen. Der Grundsatz kann nicht für die Gefahrenabwehr gelten. Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche. Nach meiner Auffassung wäre das falsch.

Kann der das ernst meinen? Wahrscheinlich. Goodbye Unschuldsvermutung und Rechtsstaat. Weiter sagte Schäuble noch

Ich kann an all den Plänen nichts Schlimmes erkennen.

Realitätsverlust. Das ganze wird dann wieder begründet mit

Alle Experten sagen, es sei nicht eine Frage des Ob, sondern nur noch eine Frage des Wann des nächsten Anschlags. In dieser Zeit leben wir.

Irrsinnige Pauschal-Globalüberwachung und die Aufhebung des Unschuldsverdachts werden daran nichts ändern. Es gibt Lücken in jedem System. Eine weitere Ausweitung der Überwachung wird langfristig keine Anschläge verhindern. Bei der ganzen Anti-Terror-Hysterie wird vergessen, dass die Terroristen in dem Augenblick schon gewonnen haben, in dem wir durch den Überwachungswahn unsere Freiheit und unseren Rechtsstaat verlieren.

(Empfehlung: c’t Linksammlung und Hintergrundartikel zur Anti-Terror-Gesetzgebung und Anti-Terror-Datei und Netzpolitik Linksammlung zum jüngsten Kabinettsbeschluß zur Vorratsdatenspeicherung. Auch witzig: Telepolis: Wird Schäuble vom Verfassungsschutz beobachtet?)

Eine Umfrage auf tagesschau.de zu den jüngsten Äusserungen des Bundesinnenministers hat folgendes Ergebnis erziehlt:

Tagesschau Umfrage

(Ein Schelm ist, wer da an Manipulation denkt… Link zur Umfrage: hier.)

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Jeder weiß, dass Radiowerbung meistens einfach nur nervig ist. E.ON-edis, neben RWE, Vattenfall und EnBW einer der ganz grossen im Deutschen Energiemarkt, hat einen Werbeslogan, der nicht nur nervig, sondern zumindest massiv irreführend und ziemlich sicher falsch ist.

Heute Morgen beim Zähneputzen quäckt es aus dem Radio: “E.ON-edis – Energie für immer!”
Ein bisschen Recherche fördert das hier zu Tage: E.ON erklärt Kindern, dass Steckdosen nie
der Strom ausgehen wird.
Liebe E.ON Werbeabteilung, in welcher Welt lebt Ihr? Was soll dieser Aufruf zur Unbesorgheit? Es muss doch den Herren in der Vorstandsetage klar sein, dass man jegliche Art von bewusstem Umgang mit Energie (und die Erziehung dahin…) untergräbt, wenn man sagt: Macht Euch keine Sorgen, Energie wird immer da sein. Und das stimmt nicht einmal: jeder Ressource ist beschränkt, sogar die Sonneneinstrahlung ist endlich und man kann weder unendlich viele Windräder, noch Staudämme bauen. Kohle, Uran, Erdgas und Erdöl sind sowieso in maximal 100-200 Jahren aufgebraucht. Ob Kernfusion je technisch anwendbar werden wird, ist völlig unklar. Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?

EON korrigiert

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Doch der allgemeine Trend zu unter ökologischen Gesichtspunkten angebauten/hergestellten Nahrungsmitteln wurde von der konservativen deutschen Landwirtschaft (allen voran vom CDU-CSU-lastigen Bauernverband) gehörig verschlafen. Das führt soweit, dass es mittlerweile echte Lieferengpässe bei bestimmten Produkten, etwa bei Milch, gibt, die zu verstärkten Importen aus dem Ausland führen, was der im Öko-Konzept enthaltene Idee des “buy local” widerspricht (siehe weiterführenden Telepolis Artikel). Viele gesundheits- und umweltbewusste Menschen haben schon seit Jahren im Bioladen um die Ecke eingekauft, doch mit der Aufnahme von Bioproduktion in die Sortimente bei den Grossdiscountern Aldi, Lidl und Plus ist der Sprung zum Mainstream geschafft. Jeder will und muss jetzt Bio anbieten (update:
Siehe auch den taz Artikel vom 17. Februar).

Aber ist überall Bio drin, wo Bio draufsteht?

Nun, das sollen Biosiegel garantieren. Da gibt es zum einen die EU Öko-Verordnung die ökologische Mindeststandards beim Landwirdschaft, Viehzucht und Verarbeitung festlegt und auf deren Basis das (gebräuchlichste) staatlich deutsche Biosiegel vergeben wird (siehe auch: Wikipedia zu Bio-Siegeln.

Es gibt ein relativ strenges System von Kontrollinstanzen und auch Multi-Nationals wie REWE, Lidl oder Alid und Global Player wie Kraft Foods können es sich nicht leisten, Bio draufzuschreiben wo kein Bio drin ist. Aber Achtung! Ein Global Player wäre nicht ein Global Player, hätte er da nicht eine Hintertür. Und die heisst: Schreib Bio drauf wo halbes Bio drin ist, die Verbraucher werden’s schon nicht merken.

Beispiel Kaffee (Bio/Fair Trade): In Zusammenarbeit mit der eigentlich (?) erstmal unverdächtig anmutenden Rainforest Alliance bekleben die Großen im Geschäft ihre Kaffeepäckchen mit Bio-Aufklebern und Hinweisen auf fairen Handel. Tatsächlich sind die Vorgaben in Punkto Fair Trade und Bio der Rainforest Alliance viel lascher als etwa die von Transfair/GEPA. Gegenüber der taz räumte Rainforest Alliance Direktorin Tensie Whelan doch tatsächlich ein:


Wir sind kein Biosiegel. Aber wir setzen uns für den Umweltschutz ein und garantieren soziale Standards wie das Recht auf gewerkschaftliche Organisation, Gesundheitsvorsorge und Löhne, von denen die Bauern leben können.

Im Unterschied zu Fair-Trade-Organisationen bekommen unsere Bauern allerdings keine festen Preise für ihre Produkte. Unser Ziel ist Nachhaltigkeit für den Mainstream. Mit unseren Kriterien können viele Unternehmen zertifizierte Produkte vertreiben.

Wie ich letztens hier in Tucson im Supermarkt feststellen durfte wird das aber so nicht auf den Produkten erklärt. Stattdessen prangt der grüne Frosch der Rainforest Alliance auf der Kaffeepackung. Ein Schelm, wer da böses denkt… Auch interessant: Die Unterstützerliste der Rainforest Alliance wie publiziert im WWW:


AT&T, Kraft Foods, Procter & Gamble, Pfizer, Inc., Anheuser Busch, Citigroup, Gibson Musical Instruments, Chiquita Brands International, Herbal Essences, JP Morgan Chase, Ben & Jerry’s, Home Depot, Green Mountain Coffee Roasters

Also vielleicht doch lieber einen Bogen um den Kaffee und die Bananen mit dem grünen Frosch im Supermarkt?

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