Jeder weiß, dass Radiowerbung meistens einfach nur nervig ist. E.ON-edis, neben RWE, Vattenfall und EnBW einer der ganz grossen im Deutschen Energiemarkt, hat einen Werbeslogan, der nicht nur nervig, sondern zumindest massiv irreführend und ziemlich sicher falsch ist.
Heute Morgen beim Zähneputzen quäckt es aus dem Radio: “E.ON-edis – Energie für immer!”
Ein bisschen Recherche fördert das hier zu Tage: E.ON erklärt Kindern, dass Steckdosen nie
der Strom ausgehen wird. Liebe E.ON Werbeabteilung, in welcher Welt lebt Ihr? Was soll dieser Aufruf zur Unbesorgheit? Es muss doch den Herren in der Vorstandsetage klar sein, dass man jegliche Art von bewusstem Umgang mit Energie (und die Erziehung dahin…) untergräbt, wenn man sagt: Macht Euch keine Sorgen, Energie wird immer da sein. Und das stimmt nicht einmal: jeder Ressource ist beschränkt, sogar die Sonneneinstrahlung ist endlich und man kann weder unendlich viele Windräder, noch Staudämme bauen. Kohle, Uran, Erdgas und Erdöl sind sowieso in maximal 100-200 Jahren aufgebraucht. Ob Kernfusion je technisch anwendbar werden wird, ist völlig unklar. Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?

Schlagworte: Beobachtungen, Populismus, Umwelt, Unsinn
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Ich denke auch, dass man Kindern besser schon von frühem Alter an die Angst einflößt, die der moderne Ökoglaube zu seiner Existenz braucht.
Denn selbstverständlich sollten sie lernen, dass sie nicht auf den menschlichen Erfindergeist vertrauen können, dass sie letztlich den Naturgewalten ausgeliefert sind und nur Buße und Verzicht Rettung versprechen.Meine Güte – selbstverständlich sollten wir davon ausgehen, dass wir auch in Zukunft Strom aus der Steckdose bekommen (oder noch komfortablere Lösungen erfinden) werden. Wer meiner Tochter versucht, Panikmache einzutrichtern, bekommt es mit mir zu tun.
“Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?”
Da gab es mal die Sorge eines Briten, dass London im Pferdekot versinken würde, wenn zu viele Menschen sich einen (damals von Pferden gezogenen) Wagen leisten könnten.
Der Autor hier scheint mir von ähnlich pessimistisch-fantasieloser Natur zu sein… -
Ich versuche mal eine Antwort:
Also, wo soll die unendliche Menge an Energie herkommen?
Zunächst stimmt es nicht, dass die Menschheit “unendliche Mengen” Energie brauchen würde (wie denn auch?) – aber lassen wir diese sprachlichen Haarspaltereien.
Selbstverständlich ist jede Ressource beschränkt. Allerdings steht derart viel Sonnenenergie zur potenziellen Verfügung, dass sich durchaus damit einige Mal der gesamte Energiebedarf der Menschheit (also nicht “nur” Strom) abdecken ließe. Und zwar für ca. die nächsten 5 Milliarden Jahre. Für menschliche Begriffe ist das “unbegrenzt”.
http://de.wikipedia.org/wiki/SonnenenergieAllerdings geht das nicht mit “Low Tech”-Lösungen, und wohl auch nicht mit den im Wikipedia-Artikel angeführten Photovoltaikanlagen mit lächerlicher 8% Wirkungsgrad, bei einem aufwändigen und teuren Herstellungsprozess. (Zur Beruhigung: die Sollenzellenhersteller sind schon weiter.)
Da ist Einiges an technischer, ökonomischer und organisatrischer Phantasie gefragt. Neben der Sonnenengie (direkt oder indirekt) ist die Geothermie eine weitere, für menschliche Maßstäbe “unerschöpfliche”, Energiequelle. Bei der Fusionsenergie bin ich gedämpft optimistisch.So sehr ich Energie-Oligopolisten wie Eon verabscheue – in dieser Hinsicht haben sie recht: der Strom wird vielleicht in 30 Jahren deutlich teurer sein als heute (was womöglich bei geringerem Verbrauch der Haushaltsgeräte nicht viel ausmacht), aber auf Energie-Rationierungen brauchen wir uns nicht gefasst machen. Jedenfalls solange wir nicht in einer Diktatur leben. (Siehe Nordkorea.)
kann weder unendlich viele Windräder, noch Staudämme bauen. Kohle, Uran, Erdgas und Erdöl sind sowieso in maximal 100-200 Jahren aufgebraucht. Ob Kernfusion je technisch anwendbar werden wird, ist völlig unklar.
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Ach, Links funktionieren hier nicht? Dann so:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,475552,00.html
(via Luclog: http://luclog.blogsome.com/2007/04/04/okostrom/)
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Hi,
erstmal vielen Dank für Eure Kommentare.
Auf die JuLi-Sprüche von Boche möchte ich eigentlich gar nicht weiter eingehen. Vielleicht nur soviel: ein Quäntchen Bedachtheit tut auch Optimisten gut.
Zur Sonnenenergie: Wenn man sich die Wikipedia Seite und insbesondere http://www.ez2c.de/ml/solar_land_area/ mal näher anschaut, so stellt man fest, dass beim augenblicklichen weltweiten Primärenergiebedarf eine Fläche von ungefähr zweifacher Größe Frankreichs bei 8% Wirkungsgrad (viel mehr wird es wohl so schnell nicht großindustriell geben; vielleicht in 50 Jahren?) ausreichen würde um die gesamte Menschheit mit Energie zu versorgen. Nehmen wir mal an, dass 1/3 der Weltbevölkerung in Industrie- oder Postindustrieländern lebt und 2/3 um einen Faktor 5 im Primärenergiebedarf zurückhinkt, dies aber in den nächsten 50 Jahren aufholt. Zusätzlich verdoppele sich die Weltbevölkerung (gar nicht so unrealistisch…). Dann kommen wir nach kurzer Überschlagsechnung auf eine benötigte Fläche von 8.5 mal der Frankfreichs, etwa 4.3 Millionen km^2. Das ist eine Fläche etwa halb so groß wie die Australiens. Ist das noch realisierbar?
Nein.
Das war mein ursprünglicher Punkt: theoretische Machbarkeit und tatsächliche Umsetzbarkeit liegen auseinander. Bestes Beispiel dafür ist die Kernfusion, die seit 50 Jahren “bald kommen soll”.

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