Ist Digital Rights Management nur schlecht?

Digitale Rechteverwaltung (Digital Rights Management, DRM) ist auf dem Vormarsch. Das Prinzip ist einfach: Musikdateien werden verschlüsselt, und können nur benutzt werden, wenn die Abspielsoftware oder das Gerät sich über einen Schlüsselserver im Internet vergewissert, dass man auch wirklich das Recht dazu hat. Man erwirbt also nicht mehr die Musik (oder bald auch Filme) selbst, sondern das “Recht”, sie auf gewisse Weise zu nutzen. Wie genau die Bedingungen aussehen, hängt vom Anbieter ab. Weil man meist die Musik nicht mehr auf beliebig vielen Rechnern abspielen kann und weiteren Einschränkungen im Vergleich zur CD unterliegt, die man selbst zu mp3 oder ogg komprimieren kann, wird DRM auch gerne als Digital Restriction Management gedeutet, also Digitale Einschränkungsverwaltung. Weitere Kritikpunkte sind die mangelnde Interoperabilität, das Fehlen von offenen Standards oder die völlige Unsicherheit, ob die Dateien nach einem Computertausch oder nach einigen Jahren noch funktionieren. Mehr dazu findet sich in der Wikipedia.

Obwohl ich zu diesen Bedingungen nie Musik “kaufen” werde, möchte ich hier argumentieren, dass es durchaus sinnvolle Anwendungsmodelle für DRM geben kann. Grundvoraussetzung ist meiner Meinung nach die Offenheit des Systems, so dass es in beliebige Software und Abspielgeräte integriert werden kann, nicht nur in diejenigen der Inhalteanbieter. Es gibt Bestrebungen in diese Richtung, aber ein allgemein akzeptierter Standard ist nicht in Sicht.

Desweiteren spielt der Preis die entscheidende Rolle. Das gleiche Geld für Inhalte auf einem weniger beständigen und minderwertig nutzbaren Träger auszugeben ist nicht gerechtfertigt. Ein Beispiel für sinnvolles DRM sehe ich in dem Ersatz für Filmverleihe. Ich hätte nichts dagegen eine nur einmal (oder x-mal) abspielbare Datei zu erwerben und herunterzuladen, wenn der Preis eben nicht auf DVD-Niveau sondern auf Leihgebührniveau (1-3 €) läge. Der Kunde hätte nur Vorteile im Vergleich zum üblichen Verleih: kein Abholen, kein Zurückbringen, keine Zeitbindung, wann man den Film ansieht. Man löscht die Datei einfach nach Gebrauch. Wenn es dazu noch möglich wäre aus dem gesamten historischen Fundus an Filmen auszuwählen, wäre es alleine schon die Einfachheit und Auswahl Wert, Geld zu bezahlen und dieses Angebot diversen Tauschbörsen vorzuziehen.

Eine weitere Möglichkeit, DRM fair und sinnvoll zu nutzen, sind Musik-Abonnements. Ich wäre durchaus bereit, eine nicht unbeträchtliche monatliche Summe zu bezahlen, um dafür freien Zugriff auf alle je veröffentliche Musik zu erhalten. Das DRM könnte so gestaltet sein, dass einmal pro Monat die Dateien relizensiert werden müssen, also dass nachgeschaut wird, ob man sein Abonnement nicht gekündigt hat. Falls doch, verfielen die Musikdateien. Meinetwegen könnte es sogar eine maximale Albenzahl pro Monat geben, denn mehr als eine gewisse Menge neuer Musik verdaut man in der Regel sowieso nicht. In diesem Modell verlören wiederum die Dateien selbst ihren Wert, denn man könnte sie ja bei Verlust jederzeit neu herunterladen. Außerdem entfiele der Aufbau eines eigenen Musikarchives – man hat schon das größtmögliche zur Verfügung. Durch die fehlende ständige Überprüfung der Lizenz wäre auch das Überspielen auf portable Geräte oder das vorübergehende Weitergeben an Freunde kein Problem. Und wie bei Filmen wäre der einfache Zugriff auf ein gut sortiertes und großes Archiv ein Totschlagargument, mit dem keine Tauschbörse mithalten kann.

Schön und gut – es gibt meines Wissens aber leider keine solchen Angebote. Ich bin aber davon überzeugt, dass ich bei weitem nicht der einzige Interessent wäre und dass solche Modelle von Kunden akzeptiert würden. Außerdem wird man wohl noch träumen dürfen… :-)

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