Unsauberer Wissenschafts-Journalismus

Guter Wissenschafts-Journalismus und die Vermittlung von Forschungsergebnissen ist schwierig. Es geht darum, oft komplexe Sachverhalte allgemeinverständlich und korrekt darzustellen ohne den lesenden Laien zu überfordern. Leider geht es auch bei diesen Themen oft um Spektakuläres und Entdeckungen werden möglichst reißerisch präsentiert. Außerdem sind bei der Interaktion von Journalist und Forscher Missverständnisse an der Tagesordnung und es kommt nicht allzu selten vor, dass sachlich falsche Aussagen gedruckt werden oder Begriffe falsch benutzt werden, so dass ganze Sätze bedeutungslos werden.

So gesehen in einem ZEIT-Artikel über einen Energiespeicher, in dem Strom vorübergehend gespeichert wird, indem man Druckluft in einem Salzstock speichert. Korrekt erklärt wurde trotz der Bezeichnung Kraftwerk, dass in dieser Anlage kein Strom erzeugt wird, sondern nur gespeichert, und dass dabei große Verluste auftreten. Gegen Ende des Artikels beim Vergleich mit ähnlichen Anlagen findet sich aber folgender Satz:

Das größte Projekt in Norton, Ohio, wird zehnmal so groß sein wie die Anlage in Huntorf und doppelt so viel elektrische Leistung speichern wie ein Atomkraftwerk.

Das macht keinen Sinn. Diese Speicherkraftwerke speichern Energie, gemessen in Kilowattstunden (kWh), keine Leistung, gemessen in Kilowatt (kW). Die gespeicherte Energie bestimmt, wie lange eine bestimmte Leistung aufrecht erhalten werden kann. Wenn also z.B. der Speicher 500kWh beinhaltet und ein Verbraucher konstant ein kW nutzt, dann reicht der Speicher für 500 Stunden, Verluste nicht mitgerechnet. Ein Kraftwerk, das Strom produziert, liefert eine konstante Leistung, z.B. 1000 kW. Bei obigem Zitat fehlt also eine Zeitangabe. Sinnvoll wäre er z.B. mit folgendem Zusatz: “... speichern wie ein Atomkraftwerk während eines Tages produziert”. Die soeben genannte Zeitangabe ist frei erfunden und gerade deren Fehlen im Artikel macht es dem Leser unmöglich, die Kapazität der beschriebenen Anlage einzuschätzen. Die Information ist sinnlos geworden.

Des weiteren hätte ich mir eine Antwort auf die offensichtliche Frage gewünscht, wie dicht denn so ein Salzstock ist und ob nicht ein beträchtlicher Teil der komprimierten Luft entweicht. Abschließend will ich erwähnen, dass dieser Artikel eine negative Ausnahme war und ich im übrigen den WISSEN-Teil der ZEIT sehr zu schätzen weiß.

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