Verfolgungswahn?

Wie stark können heute die Bewegungen und Aktionen eines einzelnen nachverfolgt werden und inwieweit ist es noch möglich, anonym zu leben?

Zuallererst, das Recht auf informationelle Selbstbestimmung gilt noch und es ist schlicht falsch, das Streben nach Privatsphäre und gegen Überwachung mit dem Totschlag-Argument abzutun, dass man doch nichts zu befürchten und zu verbergen hat, solange man nichts illegales tut. Mit diesem, leider nicht seltenen Ansatz ist man auf dem besten Weg zum gläsernen Bürger und zum Überwachungsstaat.

Was sind aber denn nun konkret die heutigen Datenspuren, die ein Normalbürger alltäglich hinterlässt? Transaktionen mit Kredit- und Bankkarten werden heute schon in Echtzeit überprüft und auf Unregelmäßigkeiten untersucht. Die starke Integration in den Alltag und der häufige Gebrauch führen dazu, dass im Prinzip jede Reise nachverfolgt werden kann. Inwieweit solche Daten gespeichert werden und ob staatliche Stellen darauf Zugriff haben ist mir zwar unbekannt, aber es würde mich wundern, wenn es keine Begehrlichkeiten in diese Richtung gäbe.

Soll man also auf die Annehmlichkeiten von Kreditkarten verzichten? Sehr wenige sind dazu bereit und hier zeigt sich eine, wenn nicht die Hauptgefahr für den Datenschutz: die Bequemlichkeit der Menschen und ihre schnelle Bereitschaft, ihre Daten preiszugeben. Das beste Beispiel für letzteres sind für mich immer noch die Payback- und ähnliche Rabattkarten. Bei jedem Einkauf legt man brav die Karte vor und bekommt dafür gewisse Rabatte. Dass der ganze Sinn dieser Karten darin besteht, Kundenprofile für Marktforschungen und Konsumentenverhalten zu erstellen, ist zu wenigen bewusst. Diese Daten sind Gold wert für Grosskonzerne und viele sind willig, für ein Taschengeld den Einblick in den Warenkorb zuzulassen.

Eine Steigerung dessen wird mit der baldigen Masseneinführung von RFID-Chips in alle Produkte kommen. Die Vorteile für Firmen z.B. in der Logistik sind sicher ein Berechtigungsgrund für die Verwendung der kontaktlos und auf gewisse Entfernung auslesbaren Chips. Dass diese aber intakt und auslesbar bleiben, nachdem die Ware beim Verbraucher angekommen ist, ist unverantwortlich. Szenarien, in denen man ein Bußgeld auferlegt bekommt, weil man etwas auf der Straße weggeworfen hat, dessen RFID-Chip einer Person zugeordnet werden kann, gehören dann sicherlich zu den harmloseren. Denn obwohl der Chip nur eine anonyme, eindeutige Nummer speichert, kann diese beim Kauf einfach mit dem Kredit- oder Rabattkarteninhaber verlinkt werden. Jetzt denke man nur noch an RFIDs in Kleidung und unsichtbar platzierte Auslesegeräte und es fängt an gruselig zu werden. Eine sinnvolle gesetzliche Regelung, die den Datenschutz nicht schwächt ist dringend vonnöten.

Noch zwei weitere erwähnenswerte Beispiele in diesem Zusammenhang:


  • Neue Farbdrucker drucken einen kaum sichtbaren Kod auf jede Seite, der Zeitangaben und die Seriennummer des Druckers beinhält.

  • Der Einsatz von Überwachungskameras auf öffentlichen Plätzen nimmt ständig zu und neue automatische Gesichtserkennungsverfahren erlauben bisher ungeahnte Möglichkeiten der Verfolgung von Personenbewegungen.

Schlussendlich läuft es darauf hinaus, die Vernetzung der vielen Datenschnipsel zu verhindern und hier ist eine Stärkung des Datenschutzes gefragt, keine graduelle Schwächung, wie wir sie in den letzten Jahren mit dem Argument der “Sicherheit” erleben. Denn,

“Diejenigen, die ihre Freiheit der Sicherheit opfern verdienen keine der beiden” (Benjamin Franklin)

Zum gleichen Thema, siehe auch diesen Artikel der ZEIT.

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  1. Ralf’s avatar

    Im kleinen Stil hats das natürlich immer gegeben und ist das auch hilfreich. Als ich letztens den Haendler um die Ecke nach Würztipps für Gegrilltes fragte, ging er am Gewürzregal vorbei und sagte: “Das können Sie drauftun, das haben Sie ja auch schon; das hier müssten sie kaufen.” etc. Einfach, weil ich immer da einkaufe, merkt er sich so was, und richtet nach diesen Präferenzen seiner Kunden natürlich seine Produktpalette aus; Samstag mittags hat er immer frisch die Sachen da, die ich regelmäßig kaufe. Bequem. Und nichts anderes, als die Rabattkartenausgeber auch wollen.

    Der Unterschied ist bloß, dass das anonyme Organisationen sind, wo man täglich von wem anders bedient wird, wo auch mal Leute eingestellt und entlassen werden, etc., d.h. schlichte persönliche Erfahrungswerte funktionieren nicht, man baut entweder ein komplettes Datensammelsystem auf, oder man hat die Daten eben nicht (oder kann keine Personalkosten senken). Und genau diese Datenbank ist das Problem, der Händler um die Ecke wird seine Informationen über mich nicht freiwillig (oder zur Freude von Anteilsinhabern) an die (Postwurfsende-, Telefontarif-, Kontoleerräum-)Mafia verkäufen…

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